Eine - natürlich nicht mehr scharfe - Atombombe im South Dakota Air and Space museum. Foto: Flickr / Andrea Church CC-BY 2.0
Eine - natürlich nicht mehr scharfe - Atombombe im South Dakota Air and Space museum. Foto: Flickr / Andrea Church CC-BY 2.0

Das militärische Atom-Dilemma der USA

Die US-amerikanische Atommacht steht für die Großartigkeit, für die Herrlichkeit, für die Unschlagbarkeit der USA als Führungsmacht der Welt: unangreifbar, unverletzlich, herausragend und unvergleichbar. Schön wärs. Die Fakten sagen etwas ganz anderes. Die USA befinden sich in einem unlösbaren Dilemma: ihre nukleare Militärmacht ist bereits zerbröselt und befindet sich im sukzessiven Auflösungsprozess, wenn der Präsident nicht sofort gravierende Maßnahmen zur Gesundung der Nuklearstreitkräfte durchführt.

Von Henry Paul

Pech auf der ganzen Linie. Jetzt, da es an allen Ecken und Enden der Welt terroristisch brennt und die USA unter der immer noch aktivierten Sequestration (ca. 10-25 Prozent Haushaltsreduzierung aufgrund der Zwangsverwaltung) leidet, kommen die bedrohlichen Nachrichten aus dem Pentagon und den verschiedenen Streitkräften gar nicht gut beim Präsidenten an. Während die Marine und die Luftwaffe sowie das Heer seit Jahren gut im Futter standen und nun die mindestens zehnprozentige Budgetkürzung relativ erträglich kompensieren können, kann das die Nuklearstreitkraft nicht.

Die nuklearen Streitkräfte sind nicht nur mit den anderen Waffengattungen querschnittstechnisch verbunden, sondern haben auch ihre eigenen Militärsektionen, die von ihnen unterhalten, gepflegt und vor allem, erneuert werden müssen. Die nuklearen Marinestreikräfte können sich eben nicht bei der Marine mal eben ein paar Dollars ausleihen oder Schiffe besorgen. Da müssen sie schon ihre eigenen Atomträger-Schiffe in Ordnung halten und verbessern. Dasselbe gilt auch für die Luftwaffe und die Raketeneinheiten. Die meisten der nuklearen Systeme sind mindestens 20 Jahre, manche davon fast doppelt so alt und so lang im Dienst. Nicht nur, dass die Waffentechnik in den letzten 20 Jahren vorangeschritten ist, macht sich da bemerkbar. Es ist viel schlimmer als den meisten Kriegstreibern in den USA bewusst ist: Russland hat die letzten Jahre seines Aufschwungs zielgerichtet genutzt, seine Nuklearmacht systematisch zu modernisieren und zu pflegen.

Die ICBM Raketen (inter-continental-ballistic-missiles) sind betagt und schlafen den Schlaf des bisherigen Friedens in ihren Silos, wer weiß, ob die überhaupt noch funktionieren. Schön für den Weltfrieden wäre das Dysfunktionieren allemal. Für die US-Streitkräfte eine Horrorvision. Die Systempflege und der zielgerichtete Ausbau der B61 nuclear gravity bombs (freifallende nukleare Fliegerbomben) kann nicht als Ersatz angesehen werden, weil die vielleicht noch 1000 Bomben in den Lagern auch veraltet sein sollen (ca. 500 davon in Europa/ BRD!). Wenn also auch das nukleare Waffensortiment mit 10 Prozent Reduktion per anno auskommen muss, sieht es schon düster aus, wie Frank Kendall (Einkäufer Pentagon) bemerkte. Die Raketen in den Silos sollten aus Kostengründen nicht ersetzt, sondern nur verbessert und up-to-date gehalten werden, was die verantwortlichen Militärs gar nicht gut finden. Und, was im Raum stehen soll, ist die generelle Frage nach der Zweckdienlichkeit dieser ICBMs, wenn man die anstehenden Kosten und das schwindende Budget korrelieren lässt.

Ein bemerkenswerter Trick der Militärs könnte möglicherweise Abhilfe schaffen, aber in Wirklichkeit hat linke Tasche versus rechte Tasche noch nie geholfen. Denn die Militärs wollen ihre "shortage" dadurch auffangen, indem sie einfach neue Belastungskontennummern im Budget verankern und so mehr Geld bekommen – das letztlich anderen Waffengattungen dann weggenommen werden würde. Und sie wissen, dass dies keine Lösung sein kann, denn sie sind mit ihren sowieso großen Budgetsummen und der notwendigen Querschnittsaufgabe den anderen Waffengattungen nicht immer willkommen. Wenn zum Beispiel die Marine dramatische Einschnitte bei ihrem U-Boot wie der 'Seawolf' oder dem Zerstörer 'Zumwalt' hinnehmen muss, würden sie es gar nicht gerne sehen, weitere Einschnitte wegen der nuklearen Schiffe und Raketen-Carrier hinnehmen zu müssen. Die nukleare Luftwaffe kann anstelle 132 Stück 'B-2 Bomber' derzeit nur noch 20 in der Luft halten! Und von den 24 Plan-Stück 'Ohio-Nuklear-U-Booten' sind nur 14 gefechtsbereit! Da hält mancher Militär nur noch die Luft an. Die Aussicht, dass der Kongress weitere Budgetkürzungen vornehmen wird, ist denkbar.

Mit jeder Kürzung die kommen wird, wird die gesamte Infrastruktur der Nuklearstreitkräfte als Ganzes in Frage gestellt. Russland wird das schon lange wissen und die USA sind gefangen in ihrer eigenen Strategie: weltweit immer mehr Militärbasen verschlingen immer mehr Geld "for nothing but mighty games", immer mehr Terroraktionen für "nothing but swinging regions" höhlen das Militärbudget zusätzlich zur Sequestration immer weiter aus – clever big-shots, oder? Trotz immer stärker auftrumpfenden und kriegslüsternen Republikanern ist der Ausweg verbaut: Sequestration ist ein finales Argument.

Der Kongress kann auch nicht einfach irgendwoher Geld bereitstellen für die dahinsiechende Nuklearmacht USA, denn dann müsste man öffentlich machen, wie weit das Militär in den vergangenen 20 Jahren seine Verpflichtung zu einer erhaltenden Aufgabe vernachlässigt hat. Freiwillig tut sich das niemand an. Das Dilemma ist aktiv und hausgemacht.

Die mögliche Auseinandersetzung und Option, mit den NATO-Bündnispartnern ins Gespräch zu kommen, damit die ein wenig von den Lasten tragen würden, ist illusorisch. Weder ist das Geld bei den Allianzpartnern vorhanden, noch die Bereitschaft, Nuklearwaffen der USA auffrischen zu helfen, damit im Fall des Falles diese Waffen gegen die eigenen Regionen eingesetzt werden würden. So dumm ist selbst der dümmste Europäer nicht.

Der Präsident hat nun drei Aufgaben zu meistern. Erstens muss er seine Kriegsgelüste zügeln, denn das Geld geht ihm aus. Zweitens muss er den Kongress bitten, das Militärbudget im Lichte der gesamthaften Minderung aller Waffengattungen zu beurteilen und möglicherweise anders zu strukturieren. Und drittens muss er seinen NATO-Partnern stecken, dass die Großmannsucht des Haudrauf eigentlich nur Window-Dressing ist: das US-amerikanische Militär kann sich keinen Waffengang erlauben. Denn strategisch und taktisch wären die Logistikprobleme, die Waffeneinsatz-Problematiken und die Querschnittsfunktionen aller Waffengattungen bei einem größeren Konflikt (zum Beispiel Ukraine gegen Russland) nicht mehr zu beherrschen, sprich: das US-Militär würde in kürzester Zeit geschlagen werden. Die Notoperation an einem geschlagenen Militärapparat NATO/USA über einen Nuklearschlag als Ersatzoption würde dementsprechend beantwortet werden: die USA selbst (Nordkalifornien, Alaska, Midwest und Southwest) und ihre NATO-Partner rund um Russland würden durch Russlands strategische Atomwaffen in kürzester Zeit eliminiert werden.

Auch wenn es im Moment nicht danach aussieht, dass die USA friedlich in sich gehen und aus dem Ukraine-Konflikt (der ein Krieg der USA gegen Russland ist) zurückziehen würden, kann man nur hoffen, dass der Präsident, als quasi letzte strategische Handlung im Amt verfügt, dass die Hardliner endlich aufhören, Krieg zu spielen mit einem Waffenarsenal, das einem wirklichen, modernen Krieg niemals standhalten könnte. 

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8 Kommentare

  1. " … Krieg zu spielen mit einem Waffenarsenal, das einem wirklichen, modernen Krieg niemals standhalten könnte."

    Es ist mir sowieso seit langem schleihaft, wieso man uns weismachen will, heutzutage würden wirkliche Kriege mittels Blechfahrzeugen und Schwarzpulvermunition geführt werden - was da täglich an zig blutigen possen geschieht, ist pures Geld drucken für die Profiteure der Rüstungsindustrie.

    Wenn es wirklich zur Sache geht, dann sind die Kommunikationssatelliten im All erstes Ziel, und danach werden Wellen- und Strahlenwaffen eingesetzt, die dem Schauspiel innerhalb von Stunden ein Ende bereiten.

  2. Die Militärbasen verbrauchen jeden Tag genauso viel Sprit wie Schweden.

    Die Atomraketen in ihren Silos sind Denkmäler, die dauernd geputzt und gewartet werden müssen, damit die Nase nicht abfällt. Die verschleißen sich nicht, die zersetzen sich, und anfangen kann man doch nichts damit. Atomraketen werden in der Bilanz als Soll geführt.

     

     

     

  3. Das glaube ich auch, daß die Waffen, die uns vorgeführt werden, eine militärische Finte sind. Da sind so viele Gelder in modernste Forschung geflossen, daß  es unglaubwürdig ist, daß mit veralteten Waffen der3. Weltkrieg geschlagen wird .Begonnen vielleicht, aber nicht damit beendet. Die modernen Militärtechnologien sind so fortschrittlich, daß eine F15 sehr antiquiert daneben wirkt. Deswegen werden die alten Waffensysteme auch nicht mehr so gewartet. Oder viel Geld investiert. Ich glaube, daß die USA niemals eine dicke Lippe riskieren würden, wenn sie mit einer untauglichen Armee ins Gefecht ziehen müßten . Wer mit Drohnen über Tausende Killometer töten kann, hat auch andere neuartige letale Waffensysteme in petto Nur müssen die bald eingesetzt werden, damit sich die Investition rentiert und sich in Form von Rohstoffquellen als Kriegsbeute amortisiert. Wobei schon die reine Drohung als militärische Aktion anzusehen ist .Es ist eine sehr feige Art der Kriegsführung, die unter anderem das 21. Jahrhundert charakerisiert…

  4. (Loup)

    Diese vermutung ist richtig. Mein Onkel hatte ein Haus in der nähe einer Basis in

    Rheinland-Pfalz. Schon damals in den früher 80igern war das was an Kriegsgerät

    von aussen der airbase ersichtlich war, veraltet.  Und damals stand die USA

    finanziell noch einiges besser da als wie heute. Der Kalte Krieg gegen Russland

    verharrte in inaktivität und so konnten die amis - vorausgesetzt sie waren auch

    schlau genug das zu erkennen - diese Zeit wie in jüngerer Vergangenheit Russland,

    zur modernisierung ihrer Kriegsmaschinerie nutzen.

    Aber die grenzenlose Überheblichkeit war schon immer eine angelsachsische

    "Tugend" an den unbegrenzten, eigenen Fortschritt zu glauben. Auch wenn er

    nicht stattfindet.

    • Böse Zungen behaupten, der technologische Vorsprung der USA beruhe auf die seiner Zeit ins Land geholten Paperclip Wissenschaftler. Die könnten aber langsam ausgestorben sein.

  5. …es wäre für mich das schönste Ereignis,wenn die Raketen gleich in den Silo`s explodieren…

  6. Ist klar, Ami-Land braucht Atomwaffen, weil es Friede, Freude und Eierkuchen weltweit -ganz uneigennützig- "sichern" muss.

    Münchhausen wäre blass vor Neid geworden.

  7. Der Beitrag gefällt mir sehr, denn wenn er zutreffend ist, würde ein von diesen wahnsinnigen US und Israel Verbrechern ausgelöster Krieg, auch deren Ende und die Befreiung der Welt bedeuten. Sofern sich diese Verbrecher dessen bewusst sind, können wir auf Frieden hoffen und uns über deren Großschnauzen amüsieren.

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